Was wenn das Gehör nachlässt?
Mit den Jahren verändert sich vieles – auch unser Gehör. Oft schleichend beginnen wir, Worte zu überhören, Gesprächen zur noch mit Mühe zu folgen, und das ständige Nachfragen kostet Kraft. Bereits ab etwa 50 Jahren lässt die Leistungsfähigkeit unseres Gehörs ganz natürlich nach. Es erstaunt daher nicht, dass viele Menschen irgendwann von Hörminderung betroffen sind.
Weil dieser Prozess langsam voranschreitet, bemerken wir ihn meist erst, wenn wir uns aus Unsicherheit oder Erschöpfung zunehmend zurückziehen. Doch Hörprobleme betreffen weit mehr als das reine Hören: Sie beeinflussen unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und unser soziales Leben.
Auch wenn Hörgeräte heute selbstverständlich sind, kostet der Schritt zum Hörtest oft Überwindung. Doch genau dieser Schritt kann Lebensfreude, Leichtigkeit und Verbundenheit zurückbringen.
Wie merkt man, dass das Gehör nachlässt? Welches sind die Symptome, bei einer altersbedingten Hörminderung?
Die folgenden Symptome können auf einer Hörminderung hinweisen. Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser.
Wenn es Ihnen zunehmend schwerfällt, Gesprochenes zu verstehen, insbesondere bei lauten Hintergrundgeräuschen, oder wenn Sie häufiger nachfragen müssen, kann dies ein erstes Zeichen sein. Auch wenn Ihnen Sprache generell undeutlicher vorkommt oder Sie alltägliche Geräusche wie Vogelgezwitscher, das Piepen der Geschirrspülmaschine oder das Läuten des Telefons nicht mehr wahrnehmen, lohnt sich eine Abklärung. Vielleicht empfinden Sie Ihre Lieblingsmusik plötzlich als Lärm oder Ihr Umfeld bemerkt, dass der Fernseher sehr laut eingestellt ist. Auch das Überhören des Weckers oder der Türklingel gehört zu typischen Anzeichen.
Trifft eine dieser Beobachtungen auf Sie zu, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Hörgerät-Akustiker. Ein Hörtest ist kurz und schmerzlos und schafft schnell Klarheit.
In manchen Fällen ist die Ursache für eine Hörminderung lediglich ein «verstopftes» Ohr. Ein Ohrpfropfen kann den Gehörgang blockieren und ebenfalls eine Hörminderung verursachen. Er kann durch eine professionelle Ohrenspülung bei Ihrem Hausarzt einfach entfernt werden.
Welche Auswirkungen kann eine Hörminderung haben?
Hörprobleme beeinträchtigen den Alltag und führen oft zu Missverständnissen. Unbehandelter Hörverlust kann das Risiko für Demenz, Einsamkeit und Depressionen erhöhen. Je früher die Ursache erkannt wird, desto gezielter kann behandelt werden. Bei ersten Anzeichen lohnt sich daher eine frühzeitige ärztliche Beratung.
Was muss man beim Kauf eines Hörgerätes beachten und wer übernimmt die Kosten?
Für Hörhilfen sind die Invalidenversicherung (IV) respektive die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) zuständig. Die Kosten werden nicht vollständig übernommen, jedoch besteht Anspruch auf einen Pauschalbeitrag.
Bei einer Abklärung und Kostenbeteiligung über die AHV muss für die Erstabklärung ein Spezialarzt, in diesem Fall eine HNO-Fachperson, beigezogen werden. Die zuständige IV-Stelle stellt auf Wunsch eine Liste der zugelassenen Fachärzte zur Verfügung. Eine Kostenbeteiligung ist möglich, wenn der Hörverlust beider Ohren mindestens 35 % beträgt.
Die Pauschalen betragen:
- CHF 1237.50 für zwei Hörgeräte
- CHF 630.00 für ein Hörgerät
Welche Hörgeräte gibt es?
Es gibt verschiedene Typen von Hörgeräten, darunter Luftleitungsgeräte, Knochenleitungshörgeräte und implantierbare Hörsysteme. Welche Variante im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt von der Ursache der Hörminderung ab, die von der HNO-Ärztin oder dem HNO-Arzt festgestellt wird. Ebenso spielt der persönliche Höreindruck eine wichtige Rolle, also die Art und Weise, wie das durch Schall erzeugte Signal im Gehirn verarbeitet wird.
Grundsätzlich bestehen alle Hörgeräte aus einem Mikrofon, einem Verstärker und einem Lautsprecher. Die Energieversorgung erfolgt über eine Batterie. Das Funktionsprinzip ist bei allen Geräten ähnlich: Das Mikrofon nimmt Schallsignale auf, die anschliessend verstärkt und an das Innenohr weitergeleitet werden. Moderne digitale Hörgeräte verfügen über ein oder mehrere Mikrofone, spezielle Filter, Vorverstärker sowie einen individuell einstellbaren Audioprozessor. Dadurch lassen sich die empfangenen Hörsignale optimal an die Hörbedürfnisse der jeweiligen Person anpassen.
In den meisten Fällen werden Luftleitungshörgeräte verwendet. Diese gibt es entweder als Hinter-dem-Ohr-Geräte oder als Im-Ohr-Modelle.
Luftleitungshörgerät
Die Luftleitungshörgeräte, ob als Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO) oder Im-Ohr-Gerät (IO), eignen sich für Menschen mit leichter bis hochgradiger Schallempfindungsschwerhörigkeit, also einer Innenohrschwerhörigkeit infolge geschädigter Hörsinneszellen. Seltener können sie auch bei Schallleitungsschwerhörigkeit eingesetzt werden, bei der das Mittelohr den Schall nicht richtig ans Innenohr weiterleitet, obwohl die Hörsinneszellen intakt sind.
Funktionsweise:
Luftleitungshörgeräte verstärken Schallsignale und geben sie über einen kleinen Lautsprecher in den Gehörgang ab. Das vorhandene Hörvermögen wird dabei genutzt und mit den verstärkten Signalen kombiniert. Moderne Geräte verfügen über verschiedene Hörprogramme, die automatisch oder manuell, etwa per Smartphone-App, angepasst werden können.
Bauformen:
- HdO-Geräte: Elektronik und Batterie sitzen hinter dem Ohr, der Schall wird über einen feinen Schlauch weitergeleitet.
- IO-Geräte: Sie werden individuell nach Ohrabdruck gefertigt und sitzen unauffällig in der Ohrmuschel oder im Gehörgang.
Knochenleitungshörgerät
- Äusserlich: Ein Knochenleitungsbügel leitet die Vibrationen über den Knochen hinter dem Ohr weiter.
- Implantierbar: Eine kleine Titanschraube wird operativ im Knochen hinter dem Ohr verankert. Nach der Heilung wird daran der Signalwandler des Hörgeräts befestigt.
Implantierbares Hörgerät
Implantierbare Hörgeräte eignen sich für Menschen, bei denen eine Schallempfindungsschwerhörigkeit nicht ausreichend mit einem normalen Luftleitungshörgerät ausgeglichen werden kann oder eine Schallleitungsschwerhörigkeit nicht operativ verbessert werden kann.
Eine besondere Form ist das Cochlea-Implantat-System, das bei hochgradigem Hörverlust oder Gehörlosigkeit eingesetzt wird. Es gilt daher als elektrische Hörprothese.
Funktionsweise:
Bei implantierbaren Hörgeräten wird ein kleiner elektromagnetischer Wandler operativ an den Gehörknöchelchen befestigt. Das sind die winzigen Knochen im Mittelohr, die den Schall normalerweise vom Trommelfell zum Innenohr weiterleiten. Der Wandler bringt diese Knochen in Schwingung und ermöglicht so, dass der Schall das Innenohr erreicht. Beim Cochlea-Implantat werden dagegen feine Elektroden direkt in die Hörschnecke (Cochlea) eingesetzt. Sie reizen den Hörnerv elektrisch, sodass dieser die Signale an das Gehirn weiterleiten kann.
Was muss man beim Tragen eines Hörgerätes beachten?
Sie werden von den vielen Geräuschen und Höreindrücken überrascht sein, wenn Sie das Hörgerät das erste Mal tragen. Sie haben viele Geräusche über längere Zeit nicht mehr gehört. Dies kann überwältigend wirken. Eine erfolgreiche Hörgerätnutzung braucht Zeit und Geduld. Idealerweise tragen Sie das Hörgerät täglich und ganztägig. Je regelmässiger, desto schneller geschieht die Gewöhnung.
Besprechen Sie Ihre Anliegen und Befindlichkeiten offen mit Ihrem Umfeld, Ihrem Facharzt oder Hörgeräteakustiker.
Fazit
Ein gutes Gehör bedeutet Lebensqualität – es verbindet uns mit Menschen, Musik und der Umwelt. Wenn Sie merken, dass das Hören schwerer fällt, zögern Sie nicht: Eine einfache Abklärung kann viel bewirken.
HINWEIS: Dieser Ratgeber ist durch Recherchen und Empfehlungen entstanden. Er entspricht den gängigen medizinischen Standards. Er ersetzt aber in keiner Weise die ärztliche Beratung.
Stand 11/2025