Dekubitus Prophylaxe: Dekubitus vorbeugen zu Hause
Unser Ratgeber “Dekubitusprophylaxe” informiert Sie darüber, was sie tun können, um der Entstehung eines Dekubitus entgegenzuwirken. Ein Dekubitus ist eine lokale Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes aufgrund von längerer Druckbelastung, die die Durchblutung der Haut stört. Umgangssprachlich ist häufig von „Wundliegen“ gesprochen. Regelmässiges Umlagern von Menschen die lange liegen oder sitzen ist dabei zentral. Ebenso muss auch die Haut beobachtet und kontrolliert werden, so dass Rötungen frühzeitig erkennt werden. Wenden Sie sich bei Unsicherheiten immer an den behandelnden Arzt.
Dekubitus Prophylaxe: Grundlagen und Ziele
Als Dekubitus bezeichnet man eine örtlich begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, die infolge von länger anhaltendem Druck und/oder einwirkenden Scherkräften entsteht.
Die Scherkraft ist eine Kraft, die seitlich an einer Fläche zieht oder schiebt. Bei einem Dekubitus entstehen Scherkräfte z. B. beim Herunterrutschen im Bett.
Ein Dekubitus entsteht infolge einer verminderten Durchblutung von Haut oder Gewebe. Daher ist die wichtigste Prophylaxe die Bewegungsförderung, Mobilisation und eine ausreichende Sauerstoffversorgung von Haut und Gewebe. Durch gezielte Lagerung, Bewegung und Mobilisation von gefährdeten Personen kann die Haut und das Gewebe abwechselnd belastet und entlastet werden. So wird verhindert, dass an einer Stelle zu viel Druck entsteht und sich ein Dekubitus (Druckgeschwür) bildet.
Als oberstes Ziel gilt, die Entstehung eines Dekubitus zu vermeiden. Dabei gilt es folgendes zu beachten:
- Risikofaktoren erkennen, ausschalten und minimieren
- Dekubitus durch individuelle Prophylaxe (Umlagerung, Hautschutz) vorbeugen
- Haut regelmässig kontrollieren und Hautschäden möglichst vermeiden
- Förderung der Mobilität durch Mobilisation des Betroffenen
Zur Zielerreichung ist ein umfassendes Massnahmenpaket zur Dekubitusprophylaxe erforderlich:
- Tägliche Inspektion der gesamten Haut, um frühzeitig Veränderungen oder Druckstellen zu erkennen.
- Hautreinigung mit Produkten für medizinischen Hautpflege, pH-hautneutral und unparfümiert.
- Pflege trockener Haut mit rückfettenden Wasser-in-Öl-Emulsionen.
- Tragen atmungsaktiver, nicht einschnürender Kleidung, beispielsweise Socken mit weichen Sockenbündchen.
- Frühzeitiger Wechsel von Inkontinenzmaterial, um Feuchtigkeitsstau und Hautmazeration zu vermeiden.
- Ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit ausreichender Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen und Nährstoffen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die Hautelastizität zu erhalten und einer Austrocknung vorzubeugen.
Ist ein Dekubitus einmal entstanden, beginnt in der Regel ein langwieriger und schmerzhafter Heilungsprozess. Die Wunden erfordern häufige und oft schmerzhafte Verbandwechsel, wodurch die Lebensqualität der Betroffenen zusätzlich beeinträchtigt wird. Zudem führt ein Dekubitus meist zu einer weiteren Einschränkung der Mobilität und verlängert den Genesungsprozess erheblich. Daher kommt der Dekubitusprophylaxe eine zentrale Bedeutung in der pflegerischen Versorgung zu.
Dekubitus vorbeugen im Alltag: Lagerung, Positionswechsel, Mobilisation
Die Massnahmen der Dekubitusprophylaxe richten sich nach dem individuellen Zustand der betroffenen Person. Dabei ist zu unterscheiden, ob sich die Person noch selbstständig bewegen kann oder sich bereits in der terminalen Phase befindet. Als terminale Phase wird die letzte Lebensphase, in der ein Mensch unheilbar krank ist und das Lebensende absehbar kurz bevorsteht, bezeichnet. Je nach vorhandenen körperlichen Ressourcen und Möglichkeiten wird die Dekubitusprophylaxe entsprechend angepasst und durchgeführt.
Lagerung
Früher galt die 90 Grad Lagerung als Lagerungsstandard. Heute gilt die 90 Grad Lagerung in der Dekubitusprophylaxe jedoch als veraltet, da bei dieser Lagerung zu viel Gewicht auf dem Trochanter (Oberschenkelknochen) liegt.
Um einem Dekubitus vorzubeugen, stehen in der Pflege verschiedene Transfer- und Lagerungstechniken zur Verfügung, mit denen bewegungseingeschränkte Personen im Bett neu positioniert werden können.
Heut zu tage werden die 30-Grad- und 135-Grad-Lagerung bzw. -Positionierung angewendet.
Positionswechsel
Ein regelmässiger Positionswechsel ist eine zentrale Massnahme zur Dekubitusprophylaxe, da er hilft, anhaltenden Druck auf gefährdete Körperstellen zu vermeiden und somit das Entstehen von Druckgeschwüren („Wundliegen“) zu verhindern. Bereits kleine Lageveränderungen oder sogenannte Mikrobewegungen können den Druck umlagern und die Durchblutung des Gewebes fördern.
Zur Unterstützung kommen verschiedene Lagerungshilfsmittel wie Kissen und Polster zum Einsatz, die eine druckentlastende Positionierung ermöglichen. Ein Wechsel in den Sessel, Pflegerollstuhl oder auf das Sofa ist besonders vorteilhaft, sofern die betroffene Person über ausreichende körperliche Ressourcen verfügt, um diese Position sicher einzunehmen und zu halten.
Mobilisation
Wenn es der Gesundheitszustand der betroffenen Person zulässt, dann ist die Mobilisation die beste Prophylaxe. Der Begriff Mobilisation bezeichnet verschiedene Massnahmen, die dazu dienen, Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit zu aktivieren und ihre Beweglichkeit zu fördern.
Durch gezielte Mobilisationsübungen sollen die Muskelfunktion gestärkt und die Gelenkbeweglichkeit verbessert werden. Auf diese Weise trägt die Mobilisation in der Pflege dazu bei, die Mobilität der Betroffenen zu erhalten oder zu steigern.
Dekubitus vorbeugen mit Hilfsmitteln: Matratzen, Sitzkissen, Fersenschutz
Der Einsatz von Hilfsmitteln richtet sich nach dem individuellen Risiko und der Mobilität. Gerne geben wir Ihnen nachfolgend einen Überblick über die gängigsten Hilfsmittel in der Dekubitusprophylaxe.
Antidekubitusmatratzen (Wechseldruck, viskoelastisch, Hybrid)
Bei der Dekubitusprophylaxe stehen verschiedene Matratzensysteme zur Verfügung, die je nach Risikoprofil, Mobilität und Pflegeaufwand ausgewählt werden sollten.
- Statische Antidekubitusmatratzen, wie spezielle Schaumstoff- oder Gelmatratzen, sind vor allem für Patienten mit leichtem bis mittlerem Risiko geeignet. Sie verteilen den Druck gleichmässig über die Körperfläche und reduzieren so die Gefahr des „Wundliegens“. Der Pflegeaufwand ist vergleichsweise gering, da diese Matratzen keine technische Betreuung benötigen. Dennoch bleibt eine regelmässige Umlagerung des Patienten notwendig, um die Haut und das Gewebe optimal zu entlasten.
- Dynamische Wechseldrucksysteme bieten durch wechselnde Luft- oder Wasserdruckzyklen eine aktive Druckentlastung. Sie sind besonders sinnvoll für Patienten mit mittlerem bis hohem Dekubitusrisiko oder bei bereits bestehenden Druckgeschwüren. Der Pflegeaufwand ist hier höher, da das System regelmässig überwacht werden muss, um sicherzustellen, dass die Druckzyklen korrekt funktionieren. Ausserdem benötigen diese Systeme Strom, und Patienten können empfindlich auf die ständigen Druckwechsel reagieren. Bestimmte Kontraindikationen wie instabile Frakturen oder Schmerzempfindlichkeit müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
- Hybridsysteme bestehen aus statischen Druckverteilungselementen, ergänzt durch dynamische Zellen, die bei Bedarf aktiviert werden können. Der Pflegeaufwand ist moderat: Die dynamische Funktion erfordert zwar Kontrolle und gelegentliche Anpassung. Als Nachteil gelten die höheren Anschaffungskosten und die technische Komplexität.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wahl des geeigneten Systems stets an das Risiko des Patienten, die vorhandenen Mobilitätsressourcen und die pflegerischen Rahmenbedingungen angepasst werden sollte.
Sitzkissen und Positionierung im Stuhl oder Rollstuhl
Eine korrekte Sitzposition ist ein zentraler Bestandteil der Dekubitusprophylaxe im Sitzen. Besonders bei Personen, die über längere Zeit im Stuhl oder Rollstuhl verbringen, entstehen hohe Druckbelastungen im Bereich der Sitzbeinhöcker, des Kreuzbeins und der Oberschenkelrückseiten. Wenn die Druckverteilung ungleichmässig ist oder die Haltung nicht optimal unterstützt wird, kann dies zu Druckulzera, Schmerzen, Fehlhaltungen und einer eingeschränkten Mobilität führen. Ziele der Positionierung sind:
- Gleichmässige Druckverteilung
- Stabile Sitzhaltung
- Förderung der Eigenbewegung
- Komfort während Alltagsaktivitäten
Zur Unterstützung der Druckentlastung kommen unterschiedliche Sitzkissen zum Einsatz, die sich in Material, Aufbau und Wirkung unterscheiden. Am häufigsten werden Schaumstoff-, Gel- und Luftkissen verwendet.
Schaumstoffkissen bestehen aus Polyurethan- oder viskoelastischem Schaum, der sich der Körperform anpasst und den Druck über eine grössere Fläche verteilt. Sie sind leicht, einfach in der Handhabung und benötigen keinen technischen Aufwand. Besonders für Menschen mit einem leichten bis mittleren Dekubitusrisiko oder mit ausreichender Eigenbewegung bieten sie eine gute Basisversorgung. Beachten Sie, dass der Schaum im Laufe der Zeit an Elastizität verliert, wodurch die Wirksamkeit der Druckentlastung nachlässt. Auch kann es bei Wärmestau oder Feuchtigkeit zu Komforteinbussen kommen. Bei stark gefährdeten oder vollständig immobilen Personen reicht die Entlastungswirkung in der Regel nicht aus.
Gelkissen enthalten zähflüssige Gelmassen oder Gelpads, die sich unter dem Körpergewicht verformen und so den Druck gleichmässig auf die Auflagefläche verteilen. Sie bieten eine angenehme Temperaturregulierung, da das Gel kühlend wirkt und damit die Hautdurchblutung unterstützt. Zudem sind Gelkissen robust und vergleichsweise langlebig. Sie sind besonders für Menschen mit mittlerem bis hohem Dekubitusrisiko geeignet, vor allem, wenn ein Wärmestau vermieden werden soll. Nachteilig ist das höhere Gewicht, die mögliche Verhärtung des Gels bei Kälte und das Risiko von Leckagen bei älteren Modellen. Regelmässige Kontrollen auf Risse oder Materialermüdung sind daher notwendig.
Luftkissen bestehen aus einer Vielzahl miteinander verbundener Luftzellen, deren Druck individuell reguliert werden kann. Sie bieten die effektivste Druckentlastung, da sie sich dynamisch an jede Bewegung anpassen und den Druck kontinuierlich umlagern. Durch diese Eigenschaften eignen sie sich besonders für Menschen mit hohem Dekubitusrisiko oder bei bereits bestehenden Druckulzera. Die Wirksamkeit hängt jedoch stark von der korrekten Einstellung des Luftdrucks ab. Eine regelmässige Druckkontrolle ist unerlässlich. Luftkissen sind hygienisch und abwaschbar, erfordern aber eine sorgfältige Handhabung und sind anfällig für Beschädigungen, etwa durch spitze Gegenstände.
Die richtige Sitzposition ist entscheiden:
- Becken aufrecht
- Oberschenkel gleichmässig aufliegend
- Füsse am Boden oder auf Fussstützen
- Rücken gestützt
- Genügend Abstand zur Kniekehle
Nur wenn diese Sitzposition gewährleistet ist, kann das Sitzkissen seine Wirkung optimal entfalten.
Zur täglichen pflegerischen Routine gehört zudem die Hautkontrolle im Sitzbereich, insbesondere über den Sitzbeinhöckern, am Kreuzbein und an den Oberschenkelrückseiten. Rötungen, Verhärtungen oder Schwellungen sind frühzeitige Warnzeichen für eine beginnende Druckschädigung. Ebenso sollte das Kissen selbst regelmässig auf Sauberkeit, Faltenbildung und Materialschäden überprüft werden. Zusätzliche Auflagen, wie Felle oder dicke Decken, sollten vermieden werden, da sie die Druckverteilung und die Atmungsaktivität des Kissens stören können.
Die Anpassung eines Sitzkissens sollte idealerweise interdisziplinär erfolgen, also in Zusammenarbeit von Pflege, Ergotherapie und Physiotherapie.
Fersenfreilagerung und Mikropositionierung
Die Fersen sind besonders gefährdet, da sie wenig Weichteilpolsterung besitzen. Schon ein geringer, aber dauerhafter Druck kann hier die Blutzirkulation beeinträchtigen und zu Gewebeschäden führen. Aus diesem Grund ist die konsequente Fersenfreilagerung ein zentraler Bestandteil der Dekubitusprophylaxe.
Bei der Fersenfreilagerung wird angestrebt, die Ferse vollständig vom Druck zu entlasten, indem sie keinen direkten Kontakt mit der Unterlage hat. Dies kann durch verschiedene Hilfsmittel erreicht werden, beispielsweise durch spezielle Lagerungskissen, Fersenringe, Schaumstoffschienen oder anatomisch geformte Lagerungshilfen.
In der modernen Pflege ist auch die Mikropositionierung als wirkungsvolle Massnahme etabliert. Dabei handelt es sich um sehr kleine, kaum wahrnehmbare Lageveränderungen, die in kurzen Intervallen durchgeführt werden. Ziel dieser Technik ist es, den Druck immer wieder leicht zu verlagern und die Mikrozirkulation des Gewebes zu fördern, ohne den Patienten stark zu belasten oder aus dem Schlaf zu reissen. Mikropositionierungen sind besonders sinnvoll bei Menschen, die nicht regelmässig umgelagert werden können, etwa aufgrund starker Schmerzen, Kreislaufinstabilität oder erhöhter Sturzgefahr. Auch in der Palliativpflege wird diese sanfte Methode häufig angewendet, um Komfort und Hautschutz miteinander zu verbinden.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Kombination aus Fersenfreilagerung und Mikropositionierung besonders effektiv ist.
Hautpflege und Inkontinenz
Eine sorgfältige Hautpflege spielt bei inkontinenten Menschen eine zentrale Rolle, um die Hautgesundheit zu erhalten und Mazerationen vorzubeugen. Eine Hautmazeration bezeichnet das feuchte Aufweichen bzw. Aufquellen der Haut und gilt als Risikofaktor für die Entstehung eines Dekubitus. Durch den wiederholten Kontakt mit Urin oder Stuhl wird die Hautbarriere stark beansprucht, was zu Reizungen, Entzündungen und einem erhöhten Risiko für Hautschäden führen kann. Daher sollte die Reinigung immer sanft, pH-hautneutral und ohne aggressive Zusätze erfolgen. Milde Waschlösungen oder Reinigungsschäume, die keine Seife enthalten, entfernen Verunreinigungen schonend, ohne den natürlichen Säureschutzmantel der Haut zu beeinträchtigen.
Nach der Reinigung ist eine Barrierepflege mit feuchtigkeitsabweisenden, aber atmungsaktiven Schutzcremes, beispielsweise mit Zinkoxid, Panthenol oder speziellen Lipiden, wichtig, um die Haut vor weiterer Feuchtigkeit und Reizstoffen zu schützen. Dabei sollte die Creme dünn aufgetragen werden, damit die Haut atmen kann. Ebenso entscheidend ist eine konsequente Feuchtigkeitskontrolle. Inkontinenzmaterialien müssen regelmässig gewechselt werden, um einen Wärmestau und dauerhafte Nässe zu vermeiden. Moderne, atmungsaktive Produkte unterstützen die Verdunstung von Feuchtigkeit und helfen, die Haut trocken zu halten.
Ernährung, Flüssigkeit und Schmerz
Eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine wirksame Schmerztherapie bilden die Grundlage für die Dekubitusprophylaxe. Der Körper benötigt genügend Energie und Eiweiss, um Haut, Muskeln und Gewebe zu regenerieren und Druckschäden vorzubeugen. Mangelernährung oder Eiweissdefizite führen zu einem erhöhten Risiko für Gewebszerfall und verzögerter Wundheilung. Ebenso wichtig ist eine ausreichende Trinkmenge, da Flüssigkeitsmangel die Haut austrocknet und ihre Elastizität vermindert. Nur gut durchfeuchtete Haut bleibt widerstandsfähig gegenüber Druck und Reibung.
Darüber hinaus spielt eine effektive Schmerztherapie eine entscheidende Rolle. Schmerzen schränken Bewegung und Mobilität ein, was das Risiko für Druckstellen deutlich erhöht. Erst wenn Schmerzen ausreichend gelindert sind, kann sich der Betroffene wieder aktiv bewegen, Positionen wechseln und erholsam schlafen. Dies sind alles Faktoren, die zur Vermeidung eines Dekubitus beitragen.
Häufige Fehler in der Dekubitus Prophylaxe und bessere Wege
In der Dekubitusprophylaxe treten immer wieder typische Fehler auf, die die Wirksamkeit der Massnahmen beeinträchtigen. Häufig wird beispielsweise angenommen, dass eine weiche Unterlage allein ausreicht, um Druckstellen zu verhindern. Tatsächlich ist jedoch regelmässige Bewegung und Umlagerung entscheidend, da auch auf druckentlastenden Matratzen lokale Druckspitzen entstehen können. Ein weiterer Irrtum besteht darin, die Haut intensiv zu massieren oder mit alkoholhaltigen Präparaten einzureiben. Dies reizt das Gewebe und schädigt die Hautbarriere. Besser ist eine sanfte Hautpflege mit pH-neutralen Produkten und der Verzicht auf Reibung. Als häufiger Fehler gilt auch zu spätes Erkennen von Hautrötungen. Frühzeitige Hautbeobachtung und Dokumentation sind unerlässlich.
Dekubitusprophylaxe im Alltag zu Hause
Zur Vorbeugung von Druckgeschwüren ist eine regelmässige, druckentlastende Lagerung entscheidend. Die Haut wird täglich auf Rötungen und Veränderungen kontrolliert und sorgfältig gepflegt, um Reizungen zu vermeiden. Geeignete Hilfsmittel wie Wechseldruckmatratzen, Sitzkissen oder Felle unterstützen die Druckverteilung. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr fördert die Haut- und Geweberegeneration. Bei Inkontinenz ist auf trockene, saubere Haut und geeignete Pflegeprodukte zu achten. Alle Massnahmen werden in der Dokumentation festgehalten und regelmässig überprüft und angepasst.
FAQ Dekubitus Prophylaxe
Was ist ein Dekubitus?
Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, die durch anhaltenden Druck und/oder Scherkräfte entsteht.
Was sind die häufigsten Ursachen für Dekubitus?
Anhaltender Druck, Scherkräfte, Feuchtigkeit, Mangelernährung.
Welche Körperstellen sind besonders gefährdet?
Ein Dekubitus entsteht bevorzugt an Körperstellen, an denen die Haut direkt über dem Knochen liegt und nur wenig durch Muskel- oder Fettgewebe geschützt ist. Besonders gefährdet sind Fersen, Zehen, Knöchel, Knie, Beckenknochen, Kreuzbein und Wirbelvorsprüngen.
Woran erkenne ich ein beginnendes Stadium 1?
Ein Dekubitus der Kategorie 1 (früher Dekubitus-Grad 1) zeigt sich als oberflächliche, gerötete Hautstelle. Gelegentlich treten zusätzlich Schwellungen, Verhärtungen oder ein Wärmegefühl auf. Betroffen ist nur die oberste Hautschicht, die Haut ist also noch intakt und nicht eingerissen.
Mit dem Fingertest lässt sich in der Regel erkennen, ob es sich um einen Dekubitus handelt: Drückt man leicht auf die betroffene Stelle, bleibt die Rötung bestehen und verschwindet erst nach mehreren Stunden oder sogar Tagen, wenn kein Druck mehr auf die Haut ausgeübt wird.
Quelle: www.pflege.de
Wie oft sollte ich umlagern?
Die Häufigkeit des Umlagerns hängt vom Gesundheitszustand, der Mobilität und dem Risikoprofil der Person ab:
- Bettlägerige Personen: In der Regel alle 2 Stunden die Position wechseln, um Druckstellen zu vermeiden.
- Teilweise mobil oder Rollstuhlfahrer: Mindestens alle 1–2 Stunden die Sitzposition ändern oder Druck entlasten (beispielsweise durch Gewichtverlagerung).
- Zusätzliche Massnahmen: Spezielle druckentlastende Hilfsmittel wie Matratzen, Kissen oder Sitzpolster können die Umlagerungsintervalle individuell anpassen, ersetzen jedoch nicht das regelmässige Positionswechseln.
Bei höherem Dekubitus-Risiko können individuell kürzere Intervalle sinnvoll sein.
Welche Matratze hilft wirklich?
Welche Matratze in der Dekubitusprophylaxe geeignet ist, hängt von individuellen Faktoren ab. Sie sollte entsprechend dem Risiko, dem Komfort und dem Pflegeaufwand ausgewählt werden. Bei Bedarf kann die Spitex oder der Fachhandel in die Auswahl eingebunden werden. Prüfen Sie eine allfällige Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse.
Wann sollte ich eine Rötung ärztlich abklären?
Tritt eine Rötung auf, muss die betroffene Stelle sofort entlastet werden, bis die Haut sich wieder erholt hat. Je weiter die Druckstelle fortgeschritten ist, desto länger dauert der Heilungsprozess.
Eine frühzeitige Kontrolle und Behandlung beim Hausarzt verhindert Komplikationen.
HINWEIS: Dieser Ratgeber ist durch Recherchen und Empfehlungen entstanden. Er entspricht den gängigen medizinischen Standards. Er ersetzt aber in keiner Weise die ärztliche Beratung.
Stand 11/2025