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Kuhnbieri
14.10.2026, 06:00:00

Welttag der psychischen Gesundheit: Selbstbestimmung im Pflegealltag stärken

Den Pullover selbst anziehen. Beim Frühstück zum Glas greifen. Eine vertraute Person anrufen. Ein paar Schritte eigenständig zurücklegen.

Was selbstverständlich klingt, kann mit zunehmendem Alter oder bei körperlichen Einschränkungen schwieriger werden. Dabei sind es gerade diese kleinen Tätigkeiten, die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung im Alltag ausmachen. Wer eigene Entscheidungen treffen und alltägliche Aufgaben möglichst selbstständig bewältigen kann, erlebt ein Stück Unabhängigkeit und Selbstwirksamkeit. Das kann sich positiv auf das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität auswirken.

Der Welttag der psychischen Gesundheit im Oktober steht 2026 unter dem internationalen Motto «Lived experiences heard: real voices, real change»; sinngemäss: «Erfahrungen Gehör schenken: echte Stimmen, echter Wandel».

Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ihre Perspektiven sollen nicht nur gehört werden, sondern auch in Entscheidungen und die Gestaltung ihrer Versorgung einfliessen.

Dieser Gedanke ist auch für den Pflegealltag von grosser Bedeutung: Wer Menschen bestmöglich unterstützen möchte, muss zunächst verstehen, was sie selbst tun möchten, welche Fähigkeiten sie mitbringen und welche Unterstützung sie tatsächlich benötigen.

Selbstbestimmung beginnt somit nicht erst bei der Wahl eines passenden Hilfsmittels, sondern bereits beim Zuhören und Einbeziehen der betroffenen Person.


Selbstständig heisst nicht ohne Unterstützung

Unterstützung und Selbstständigkeit sind keine Gegensätze.

Ein Hilfsmittel kann eine Tätigkeit erleichtern, ohne sie vollständig abzunehmen. Eine Greifhilfe kann beispielsweise ermöglichen, einen Gegenstand selbst zu erreichen und ein speziell geformtes Besteck das selbstständige Essen erleichtern. Eine Gehhilfe bietet zusätzliche Sicherheit und ermöglicht dadurch Wege, die sonst nur mit Begleitung möglich wären.

Alltagshilfen können Menschen mit körperlichen Einschränkungen dabei unterstützen, ihre Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange zu erhalten.

Entscheidend ist dabei nicht nur, was ein Hilfsmittel kann, sondern ob es zur jeweiligen Person, ihren Fähigkeiten und ihrem Alltag passt.


Morgenroutine: Selbstständigkeit bewahren

Das WC nutzen, sich ankleiden oder die Schuhe anziehen: Bereits der Start in den Tag besteht aus vielen kleinen Handgriffen.

Ist eine Bewegung eingeschränkt, muss deshalb nicht automatisch die gesamte Tätigkeit übernommen werden. Manchmal reicht eine gezielte Unterstützung. Greifhilfen, Anziehhilfen oder Hilfsmittel für Bad und WC können dazu beitragen, vorhandene Fähigkeiten weiterhin zu nutzen.

An- und Ausziehhilfen

Hilfsmittel für Bad und WC

Eigenständig essen und trinken

Ein Glas sicher halten, Besteck greifen oder Speisen selbstständig aufnehmen kann bei eingeschränkter Beweglichkeit zur Herausforderung werden.

Angepasste Trinkgefässe, Esshilfen oder Tellerranderhöhungen können dabei unterstützen, Mahlzeiten möglichst lange selbstständig einzunehmen.

Trinkbecher und Esshilfen

Unterwegs: Bewegungsfreiheit erhalten

Mobilität schafft Möglichkeiten: selbst zum Speisesaal gehen, das Zimmer verlassen, sich mit anderen treffen oder einen kurzen Weg zurücklegen.

Gehstützen, Rollatoren und andere Mobilitätshilfen können hier Halt und Sicherheit geben. Entscheidend ist eine Lösung, die auf die individuellen Voraussetzungen abgestimmt ist.

Gehhilfen, Rollatoren und Rollstühle

Kommunikation ermöglichen

Eine vertraute Person anrufen oder selbst Kontakt aufnehmen zu können, gehört ebenfalls zu einem eigenständigen Alltag. Sind Sehvermögen und Feinmotorik eingeschränkt, können beispielsweise Telefone mit grossen Tasten Barrieren reduzieren.

Seniorentelefon

Sicherheit schaffen

Eine Person möglichst umfassend vor Risiken zu schützen, kann schnell dazu führen, dass ihr gleichzeitig Handlungsmöglichkeiten genommen werden. Die Umgebung soll so gestaltet werden, dass Sicherheit und Eigenständigkeit Hand in Hand gehen.

Alltagshelfer für mehr Sicherheit


Perspektivwechsel: Unterstützen oder abnehmen?

Im Pflegealltag lohnt es sich deshalb, bei alltäglichen Tätigkeiten kurz die Perspektive zu wechseln:

  • Was möchte die Person selbst tun?
    Nicht jede Unterstützung, die möglich wäre, wird auch benötigt oder gewünscht.
  • Welche Fähigkeiten sind vorhanden?
    Im Mittelpunkt sollte nicht nur stehen, was nicht mehr möglich ist, sondern auch, was weiterhin selbstständig gelingt.
  • Kann eine kleine Anpassung ausreichen?
    Manchmal ermöglicht bereits ein geeignetes Hilfsmittel, eine Tätigkeit wieder selbst auszuführen.
  • Passt die Lösung zur Person?
    Hilfsmittel sollten sich an individuellen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Gewohnheiten orientieren.
  • Wurde die Person einbezogen?
    Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Nutzung einer Alltagshilfe ist, dass die betroffene Person in die Auswahl einbezogen wird und mit der Anwendung vertraut ist.

Gerade dieser letzte Punkt greift einen Gedanken des diesjährigen Welttags der psychischen Gesundheit auf: Menschen nicht nur zuzuhören, sondern ihre Perspektiven auch tatsächlich in Entscheidungen einzubeziehen.


Kleine Hilfen mit einem grossen Ziel

Selbstständigkeit bedeutet nicht, alles ohne Unterstützung bewältigen zu müssen. Vielmehr geht es darum, Menschen dort zu unterstützen, wo es notwendig ist, und ihnen gleichzeitig möglichst viele eigene Handlungsmöglichkeiten zu erhalten.

Dafür braucht es nicht immer grosse Veränderungen. Oft sind es kleine, gut gewählte Lösungen, die einen Unterschied machen: beim Aufstehen, Anziehen, Essen, Gehen, Kommunizieren oder bei der persönlichen Sicherheit.

Unser Team unterstützt Sie mit passenden Lösungen und Hilfsmitteln, die dazu beitragen können, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung möglichst lange zu erhalten und gleichzeitig den Pflegealltag zu erleichtern.

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